WortSchatz DDR
- Donnerstag, 09.09.2010, 18:05 Uhr - 18:07 Uhr (MDR)
Titel: Nischel
"Barbarossa" begibt sich 20 Jahre nach der Wiedervereinigung auf Spurensuche: Wer versteht heute noch Worte wie Mufuti, Dederon oder Nischel? Worte, die in der DDR selbstverständlicher Teil des Alltags und der Umgangssprache waren.
Und wie sind die Gewichtungen?! Ist der Westen dem Osten ein Stück näher gekommen? Oder hat sich der Osten inzwischen von seiner Vergangenheit entfernt? - Freitag, 10.09.2010, 18:05 Uhr - 18:07 Uhr (MDR)
Titel: Honeckerbild - Montag, 13.09.2010, 18:05 Uhr - 18:07 Uhr (MDR)
Titel: Diktatur des Proletariats - Dienstag, 14.09.2010, 18:05 Uhr - 18:07 Uhr (MDR)
Titel: Ehekredit - Mittwoch, 15.09.2010, 18:05 Uhr - 18:07 Uhr (MDR)
Titel: Heißluftdusche - Donnerstag, 16.09.2010, 18:05 Uhr - 18:07 Uhr (MDR)
Titel: Hausbuch - Freitag, 17.09.2010, 18:05 Uhr - 18:07 Uhr (MDR)
Titel: Bummi - Montag, 20.09.2010, 18:05 Uhr - 18:07 Uhr (MDR)
Titel: Klappfix - Dienstag, 21.09.2010, 18:05 Uhr - 18:07 Uhr (MDR)
Titel: Kommunismus - Mittwoch, 22.09.2010, 18:05 Uhr - 18:07 Uhr (MDR)
Titel: Milchgeldkassierer - Donnerstag, 23.09.2010, 18:05 Uhr - 18:07 Uhr (MDR)
Titel: SPU - Freitag, 24.09.2010, 18:05 Uhr - 18:07 Uhr (MDR)
Titel: Patenbrigade - Montag, 27.09.2010, 18:05 Uhr - 18:07 Uhr (MDR)
Titel: Straße der Besten - Dienstag, 28.09.2010, 18:05 Uhr - 18:07 Uhr (MDR)
Titel: Tausend Tele-Tips - Mittwoch, 29.09.2010, 18:05 Uhr - 18:07 Uhr (MDR)
Titel: Timurhilfe - Donnerstag, 30.09.2010, 18:05 Uhr - 18:07 Uhr (MDR)
Titel: Steigerung der Arbeitsproduktivität - Freitag, 01.10.2010, 18:05 Uhr - 18:07 Uhr (MDR)
Titel: Zentralorgan
Damals in der DDR
- Sonntag, 12.09.2010, 11:30 Uhr - 12:15 Uhr (NDR)
Titel: Freiheit ohne Grenzen
November 1989: Familie Anders ist mit ihrem Trabant zum ersten Mal im Westen, um Onkel und Tante zu besuchen. Da passiert das Malheur: Mitten auf der westdeutschen Autobahn geht der Trabi kaputt.
"Ein Mann hielt mit seinem Auto an und erklärte mir erst einmal wie die Notrufsäule funktioniert", erinnert sich Dietrich Anders. Das Auto wird in eine Werkstatt geschleppt. Die Monteure lassen alles stehen und liegen, um den Zweitakter unter die Lupe zu nehmen. Den "Plastikbomber" reparieren sie kostenlos.
Kaffee gibt es gratis dazu. Die Freundlichkeit im deutschen Westen beeindruckt die Anders. Der Besuch bei Onkel und Tante jedoch gerät zu einem Desaster. Die Westverwandtschaft hatte der Familie noch zu DDR-Zeiten ein Grundstück an der Ostsee geschenkt. Das wollen sie jetzt wiederhaben. Herr Anders ist entrüstet.
Nach dem Mauerfall ist die Euphorie groß. Die Ossis strömen zu Tausenden über die Grenze und werden dort mit offenen Armen und Begrüßungsgeld empfangen. Der Traum von der Freiheit - nun ist er Wirklichkeit geworden. In der DDR geht es drunter und drüber. Erich Honecker wird abgesetzt. Der mächtige Mann ist plötzlich auf der Flucht. Keiner will ihn mehr. Sein Nachfolger Egon Krenz kann für die alte Betonkopfriege der SED nur kurze Zeit die Macht sichern. Dann wird auch er vom Lauf der Geschichte weggespült. "Wir sind das Volk" und "Stasi in die Produktion" rufen jeden Montag Hunderttausende auf den Straßen. Viele stimmen mit den Füßen ab und verlassen die DDR.
Tausende Wohnungen stehen leer. Dieter Bartsch braucht eine größere Wohnung. Seine Frau ist hochschwanger. Mit einem Sperrhaken brechen sie die Tür einer Neubauwohnung auf, und tatsächlich, die Wohnung ist leer. Also ziehen sie tags darauf ein: "Das Ganze geschah mit einem Kinderwagen. Die Möbel drauf, die Küchenschränke drauf", erinnert sich Bartsch. Die Wohnungsämter sind, wie alle DDR-Verwaltungen, heillos überfordert. Eine Zeit der Anarchie bricht an. Jeder nimmt sich, was er möchte. Keiner beachtet mehr die staatliche Autorität, Ängste wachsen. Vor allem bei den DDR-Bürgern, die als Funktionäre eine wesentliche Stütze des alten Regimes waren. Für viele von ihnen bricht eine Welt zusammen. Zum ersten Mal müssen sie sich rechtfertigen.
Damals in der DDR - Das letzte Jahr
- Sonntag, 12.09.2010, 05:30 Uhr - 06:00 Uhr (DW-TV)
Wiederholung: Montag, 13.09.2010, 11:30 Uhr - 12:00 Uhr (DW-TV)
Titel: Staat am Ende
War doch nicht alles schlecht? - Streitfall DDR
- Sonntag, 12.09.2010, 23:50 Uhr - 00:35 Uhr (ZDF_neo)
Unrechtsstaat oder Paradies der Arbeiter und Bauern? Heute, über 20 Jahre nach dem Fall der Mauer, wird über die DDR kontrovers diskutiert. Stimmt es, dass die DDR auch ihre guten Seiten hatte? ZDF-History hört sich die Argumente beider Seiten an.
Damals nach der DDR 1/4
- Montag, 13.09.2010, 21:00 Uhr - 21:45 Uhr (ARD)
Wiederholung: Dienstag, 14.09.2010, 03:20 Uhr - 04:05 Uhr (ARD)
Wiederholung: Mittwoch, 15.09.2010, 20:15 Uhr - 21:15 Uhr (EinsExtra)
Titel: Freiheit und Auflösung
Die Bilder gingen um die Welt: Millionen von Menschen bevölkern am Abend des 9. Novembers 1989 die Straßen Berlins, es herrscht grenzenloser Jubel, Tränen der Freude fließen, Unbekannte umarmen einander. Die plötzliche Öffnung der Berliner Mauer ist ein Wendepunkt in der Geschichte des Landes und ein nie vergessenes Ereignis für Großteile der deutschen Bevölkerung. Doch nicht allen Berlinern sind die Feierlichkeiten an jenem Tag vergönnt, manch einer bekommt noch nicht einmal mit, welch geschichtsträchtiges Ereignis gerade in der Metropole stattfinden. Einer von ihnen ist Hanns-Christian Catenhusen, der wenige Tage zuvor im brandenburgischen Beelitz seinen Grundwehrdienst in der Nationalen Volksarmee der DDR angetreten hatte. Zusammen mit seinen Kameraden schaut er zwar die abendliche Nachrichtensendung und sieht die legendäre Pressekonferenz, bei der die Öffnung der innerdeutschen Grenze bekanntgegeben wird, doch die Tragweite dieser Worte wird der Truppe in dem Moment nicht bewusst. Erst am folgenden Tag erkennt sie die Bedeutung - erst recht als es plötzlich heißt: "Erhöhte Gefechtsbereitschaft". Für ihn folgen Stunden des Horrors, in denen er damit rechnen muss, den Einsatzbefehl an die Mauer zu bekommen und sogar von seiner Waffe Gebrauch machen zu müssen. Die Aussicht auf einen Schießbefehl löst in ihm pure Angst aus, weswegen er rückblickend vom "schwärzesten Tag" seines Lebens spricht. Besser ergeht es dem Großteil seiner Landsleute: In Massen überqueren die glücklichen DDR-Bürger in den kommenden Tagen die plötzlich geöffnete Grenze und werden dabei von ebenso freudestrahlenden Westbürgern empfangen. Vielerorts fließen Tränen der Freude darüber, dass auch im privaten Bereich "zusammenwächst, was zusammengehört": Familien werden wieder vereint und auch der länderübergreifenden Liebe sind nun keine Grenzen mehr gesetzt. So auch im Fall der damaligen DDR-Studentin Silke Möllmann, die sich wenige Jahre zuvor in einen Schüler aus der BRD verliebt hatte und seitdem mit ihm eine Fernbeziehung führt. Die Möglichkeiten, ihre Liebe auszuleben, sind freilich begrenzt. Dies ändert sich schlagartig. Nach dem Mauerfall glühen zunächst die Telefonleitungen zwischen dem Apparat der Berliner Studentin und dem jungen Mann aus dem Rheinland, bevor sich Möllmann wenige Tage später vor Aufregung zitternd mit dem Zug gen Westen begibt. Die Pflanze ihrer Liebe bekommt nun neuen Nährboden. Doch nicht nur auf persönlicher Ebene nähern sich Ost und West im weiteren Verlauf an, auch geschäftliche Beziehungen werden geknüpft. Ein Beispiel dafür ist Rainer Laser, der im niedersächsischen Lüchow ein Elektronikfachgeschäft betreibt. In der Kleinstadt herrscht bald Ausnahmezustand, die nahe gelegene Grenze nutzen zahlreiche DDR-Bürger als Eintrittstor in den "Goldenen Westen". Sie haben insbesondere Augen für die bunte Welt der Konsumgüter. Zunächst freut sich Laser darüber, den interessierten Besuchern Informationsmaterial über seine angebotenen Produkte aushändigen zu können, später erfährt sein Geschäft durch die zahlreichen Neukunden einen wahren Boom. Ein gänzlich neues Aktivitätsfeld eröffnet sich dagegen in Berlin für Alwin Nachtweh: Die Berliner Mauer wird zu einer Touristenattraktion, und Nachtweh macht sich die Begehrlichkeiten der Gäste aus aller Welt zunutze. Er verkauft Stücke der Mauer. Die unterschiedlich großen Exemplare sind heiß begehrt, doch der Aufwand zur Gewinnung ist enorm - und kostet ihn jede Menge Schweiß und Blut.
Damals in der DDR
- Sonntag, 19.09.2010, 11:30 Uhr - 12:15 Uhr (NDR)
Titel: Vereint für immer
"Herr Hauptmann, ich begrüße Sie in der Bundesrepublik Deutschland." So wird Henrik Strehlow am 3. Oktober 1990 geweckt. Er ist der diensthabende Offizier des Pionierregimentes 3 der Nationalen Volksarmee. Am Tag der Wiedervereinigung hört diese Armee auf zu existieren. Zum ersten Mal zieht Strehlow die Uniform der Bundeswehr an. Gestern noch war er Major der NVA, heute nur noch Hauptmann der Armee des einstigen Klassenfeindes. Als er nach Hause kommt, hat seine vierjährige Tochter Tränen in den Augen. "Vati, ich versteh das nicht. Die DDR ist gestorben und alle Leute freuen sich. Wenn man stirbt, muss man doch weinen!" "Komm, das erklär ich dir später. Das hat schon seine Richtigkeit", antwortet er.
"Wir sind ein Volk!" - fordern schon im Frühjahr die Demonstranten auf zahlreichen Montagsdemos. Der Zug in Richtung Wiedervereinigung nimmt nach der Wahl immer schnellere Fahrt auf. Politisch werden die wichtigsten Weichen gestellt. Am 31. August wird der Einigungsvertrag unterzeichnet. Mit weitreichenden Folgen für die Deutschen in Ost und West. Das Prinzip "Rückgabe vor Entschädigung" wird in den Folgejahren die Gerichte zuhauf beschäftigen.
Aufbauhelfer kommen zu Tausenden aus dem Westen. Schließlich wird zu einem großen Teil das "Prinzip Bundesrepublik" den neuen Ländern übergestülpt. Viele "gelernte" DDRBürger fühlen ein Unbehagen. Sie sind unsicher und hilflos. Der Rausch von Freiheit und D-Mark verfliegt. Immer offensichtlicher wird, dass die deutsche Teilung Spuren hinterlassen hat. "Ossi" und "Wessi" werden zu Schimpfwörtern.
Ein grundlegender Wandel in allen Bereichen findet statt. Neue Verwaltungen müssen her, Telefonleitungen, schlaglochfreie Autobahnen, wasserdichte Dächer und vieles mehr. Es gilt, ein heruntergewirtschaftetes Land aufzubauen. Gleichzeitig müssen alte Eliten und eine marode Wirtschaft abgewickelt werden. Als erster großer Betrieb wird in Dresden das Kamerawerk Pentacon geschlossen. 6.000 Menschen sind betroffen. Zum ersten Mal sind sie mit Arbeitslosigkeit konfrontiert. Die leitende Angestellte Regine Burckhardt kann nachts nicht mehr schlafen. Erst muss sie nacheinander die Mitarbeiter entlassen, dann ihr Büro ausräumen und ihren Schlüssel beim Pförtner abgeben. "Mir war, als würde ich mein Leben wegschmeißen", erzählt sie.
Die deutsche Einheit wird zuerst in den Innenstädten sichtbar: Baugerüste statt Abrissbagger. Schon seit Ende der 1980er-Jahre stemmt sich die junge Architektin Antje Hainz gegen den Verfall der Meißner Innenstadt. Ein Kampf mit leeren Händen gegen die Windmühlenflügel des realsozialistischen Mangels. Jetzt endlich kann sie richtig kämpfen. Mit Ziegeln, Mörtel und Bauholz. Mit Geld und Expertenrat aus dem Westen. Aufbau und Abwicklung, Hoffnung und Verzweiflung - dieser Gegensatz begleitet die Menschen in den Monaten nach der Wiedervereinigung.
Spitzel in der Synagoge - Die DDR und die Juden
- Montag, 20.09.2010, 03:40 Uhr - 04:30 Uhr (3sat)
Dokumentation (Kultur - Zeitgeschichte allgemein)
Mit Guido Knopp
Beschreibung:
Film von Dietmar Schulz (aus der Reihe "ZDF-History") Die Stasi hatte sie ständig unter Kontrolle. In ihren Synagogen saßen Spitzel unter den Betenden, in ihren Gemeinden arbeiteten Informelle Mitarbeiter der Staatssicherheit. Die Juden in der DDR waren der SED besonders suspekt, weil sie Kontakte in den Westen hatten oder mit Israel sympathisierten. Aus Furcht vor Verhaftung durch die Stasi flohen Anfang der 1950er Jahre mehrere Tausend Juden aus der DDR in den Westen. Die Juden, die blieben, passten sich an. Die jüdischen Gemeinden führten fortan ein Schattendasein. Am Ende der DDR zählten sie nur noch 380 Mitglieder. Im Gegensatz zur Bundesrepublik lehnte die DDR Entschädigungszahlungen an Holocaust-Überlebende und den Staat Israel kategorisch ab. 1988 änderte sich dies überraschend: SED-Chef Erich Honecker "entdeckte" die jüdischen Bürger seines Staates, um sich in Amerika beliebt zu machen. Er hoffte auf eine Einladung ins Weiße Haus in Washington und auf mehr Handel mit dem "Klassenfeind". Honecker stellte sogar Entschädigungszahlungen an Holocaust-Überlebende in Aussicht und bot Israel die Aufnahme diplomatischer Beziehungen an. Der Film aus der Reihe "ZDF-History" zeigt, wie die SED die Überlebenden des Holocaust in ihrem Staat drangsalierte und als "Opfer zweiter Klasse" behandelte. Dokumente der Gemeinden und der SED-Führung belegen: In der DDR gab es weitaus mehr Judenfeindlichkeit als bisher bekannt ist.
Damals nach der DDR 2/4
- Montag, 20.09.2010, 21:00 Uhr - 21:45 Uhr (ARD)
Wiederholung: Dienstag, 21.09.2010, 03:15 Uhr - 04:00 Uhr (ARD)
Titel: Aufbruch und Abschied
Anfang des Jahres 1990 ist das Ende der DDR bereits absehbar, auch die alles beherrschende SED kann daran wenig ändern - die Partei, die bisher alle Fäden in der Hand hielt, hat ihre Führungsrolle verloren. Millionen Mitglieder sind orientierungslos. So geht es auch Heidrun Kruse, die nördlich von Berlin seit sieben Jahren als Pionierleiterin in der "Pionierrepublik Wilhelm Pieck" tätig ist. Bisher hat sie in ihrem Traumberuf Freizeitangebote ebenso wie politische Schulungen organisiert, doch wie bei vielen SED-Genossen macht sich nun Ratlosigkeit in ihr breit. Ihre Partei, die jahrzehntelang die Macht für sich beansprucht hatte, weiß plötzlich selbst keinen Rat mehr und auch Kruse, deren Job am seidenen Faden hängt, spürt erstmals Existenzangst. Der Austritt aus der Partei erscheint ihr schließlich als letzter Ausweg. Unterdessen sehnen sich die DDR-Bürger nach Dingen, die sie jahrelang entbehren mussten. Sie reisen in den Westen, konsumieren bislang unbekannte Waren und haben ein Verlangen nach freien Informationen. Jahrelang bekamen sie von den staatsnahen DDR-Medien nur gefilterte Nachrichten geboten, nun soll sich das schnellstmöglich ändern. Doch westliche Presseprodukte sind anfangs noch verboten. Für den niedersächsischen Unternehmer Dirk Rossmann ist das jedoch kein Hindernis, er möchte trotzdem seinen Teil dazu beitragen, seine Landesnachbarn mit freier Presse zu versorgen. Mit 20.000 Exemplaren des Spiegel-Magazins im Gepäck macht er sich auf den Weg nach Leipzig, die Grenzkontrollen umgeht er mit einem Trick. In der sächsischen Großstadt bekommt er dann den ungezügelten Durst der Einwohner auf unabhängige Informationen am eigenen Leib zu spüren - die Mitbringsel werden ihm förmlich aus den Händen gerissen. Ähnlich ergeht es Margot Friedrich in Eisenach, die weder auf vergleichbare Lieferungen aus dem Westen noch auf die Reformation der DDR-Presse zu warten gewillt ist, sondern selbst journalistisch aktiv wird: Sie gründet ein unabhängiges Blatt mit dem Namen "Die andere Zeitung". Zunächst in Eigenregie, später unter Mithilfe von Gleichgesinnten versorgt sie ihre Mitmenschen mit interessanten Berichten über das aktuelle Geschehen. Auf journalistische Konventionen nimmt sie dabei wenig Rücksicht. Eines ihrer ersten Themen behandelt die ersten freien Wahlen in der DDR. Diese offenbaren, was die Bevölkerung mehrheitlich will: ein einheitliches Deutschland auf demokratischer Basis. Der erste große Schritt zu einem vereinten Land soll mit der Einführung der D-Mark im Osten getan werden. Während der kurzen, aber intensiven Vorbereitungen für die deutsch-deutsche Währungsunion muss das Referat "Innerdeutsche Beziehungen" des Bundesfinanzministeriums unter der Leitung von Thilo Sarrazin jede Menge Fragen klären. Allen voran, welcher Umtauschkurs schließlich zugrunde gelegt werden soll. "Nur eine Umstellung 1:1 konnte in Frage kommen", erinnert sich Sarrazin. Als die DDR-Bürger letztlich am 1. Juli die Banken stürmen und das begehrte Westgeld in Empfang nehmen, denkt noch keiner an die Schattenseiten. Ausgestattet mit der harten Währung beginnt ein Ansturm auf die Kaufhäuser - aus denen jedoch nach und nach die Ost-Produkte verschwinden. Margot Siedow, die bereits seit 28 Jahren bei einem Eishersteller in Leipzig arbeitet, bekommt diese Entwicklung zu spüren: Die Nachfrage nach dem in der DDR begehrten Eis am Stiel sinkt rapide, es droht das Ende der Produktion.
Genosse Vater - eine DDR-Karriere
- Montag, 27.09.2010, 01:10 Uhr - 01:55 Uhr (ZDF_neo)
Dokumentation (Gesellschaft - Zeitgeschichte von 1945-1989)
Damals nach der DDR 3/4
- Montag, 27.09.2010, 21:00 Uhr - 21:45 Uhr (ARD)
Titel: Flitterwochen und Rosenkrieg
Am 3. Oktober 1990 ist es so weit: Die Menschen bejubeln die lang ersehnte deutsche Wiedervereinigung, ein großer Festakt in Berlin würdigt die friedliche Revolution. Es herrscht Silvesterstimmung mitten im Herbst, doch bei vielen Ostdeutschen vermischen sich die positiven Gedanken mit einer gehörigen Portion Skepsis. Es folgen die mühsame Umgestaltung eines Landes nach dem Vorbild der Bundesrepublik und ein schlagartiger Wandel der Lebensverhältnisse von Millionen von Menschen. Tausende von Westdeutschen wollen ihre neuen Landsleute unterstützen und an einer erfolgreichen Umsetzung der Einheit partizipieren. Sie werden als Fachleute in Ministerien, Behörden und in der Wirtschaft dringend beim Aufbau Ost gebraucht. Manche lockt das Geld, andere die neue Herausforderung. Einer der damaligen Aufbauhelfer ist Bernd Capellen, der kurz nach der Wiedervereinigung nach Halle an der Saale kommt. Im Auftrag der Treuhandanstalt soll er ehemalige DDR-Betriebe für den Weltmarkt fit machen. Ihn erwartet eine gewaltige Aufgabe, deren tatsächliches Ausmaß sich für den Rheinländer erst nach und nach erschließt. Schnell stellt er fest, dass die meisten ostdeutschen Betriebe wegen veralteter Produktionsbedingungen und Absatzschwierigkeiten entweder schon insolvent oder kurz davor sind. Als Treuhandmitarbeiter muss er deshalb oft schmerzhafte Entscheidungen treffen, die unter den Menschen seiner Wahlheimat große Unzufriedenheit auslösen. Schon bald lassen die Betroffenen ihrem Ärger freien Lauf, auch Capellen bekommt dies zu spüren. Auch die Filmfabrik ORWO im Sachsen-Anhaltinischen Wolfen muss die schmerzhafte Erfahrung machen, dass die dramatischen technologischen Rückstände nicht aufzuholen sind und eine fast hundertjährige Tradition mit der Abwicklung durch die Treuhand beendet wird. Unter den Angestellten befindet sich auch Karla König, die bereits seit 1952 im Unternehmen beschäftigt ist und bislang für die Lehrlingsausbildung verantwortlich war. Sie verliert nicht nur ihren Arbeitgeber, sondern auch ihren Lebensmittelpunkt und teilt fortan mit vielen Bewohnern der Stadt das unbefriedigende Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden. Bald gibt es für sie jedoch neue Hoffnung: König bekommt die Aufgabe, Studenten durch die ehemalige Filmfabrik zu führen. Aufgrund der zunehmenden Massenarbeitslosigkeit sehen viele Ostdeutsche ihre Hoffnungen enttäuscht, doch auch im Westen der Republik schlägt die Stimmung zunehmend um. Besonders die Einführung des "Solidaritätszuschlags" für den Aufbau Ost zum 1. Juli '91 für alle Bundesbürger ist vielen ein Dorn im Auge und belastet die innerdeutschen Beziehungen. Die Mauer zwischen Ost und West - in den Köpfen bleibt sie noch bestehen. Auch das Mecklenburgische Dorf Passee bekommt dies deutlich zu spüren, als Oberbürgermeister Adolf Wittek unerwarteten Besuch aus dem Westen bekommt: Ein Makler aus Bad Schwartau stellt sich bei ihm als der neue Besitzer des Gemeindehauses vor und verlangt fortan Miete für das von den Bewohnern in gemeinnütziger Arbeit errichtete Gebäude, das Konsum, Post und Bürgermeisterbüro, beherbergt. Der Bürgermeister reagiert wütend und der Fall kommt vor Gericht. Wie in vielen vergleichbaren Fällen müssen die Besitzverhältnisse geklärt werden - oftmals ohne Erfolg für die bisherigen Nutzer. Wittek entschließt sich zu einem Schritt, der ihn weit über sein Dorf hinaus für viele zu einem Helden macht.
Eiskalt vereint - Die letzte Antarktis-Expedition der DDR
- Sonntag, 03.10.2010, 09:05 Uhr - 10:05 Uhr (Servus TV)
Dokumentation, Deutschland 2010.
In der Antarktis fiel die Mauer zuletzt: Die spannende Geschichte der letzten Polar-Expedition der DDR Im Herbst 1989 brechen Polarforscher aus der DDR zu einer 18-monatigen Expedition in die Antarktis auf. Noch konnte keiner der Teilnehmer wissen, dass es die DDR schon bald nicht mehr geben würde. Parallel in der Antarktis arbeitet eine Gruppe westdeutscher Polarforscherinnen. Erst jetzt wird eine Begegnung möglich. Die Deutsche Vereinigung fand auch in der Antarktis statt.
Damals nach der DDR 4/4
- Montag, 04.10.2010, 21:00 Uhr - 21:45 Uhr (ARD)
Wiederholung: Dienstag, 05.10.2010, 03:20 Uhr - 04:05 Uhr (ARD)
Titel: Einheitsfrust und Einheitslust
Die DDR ist seit vier Jahren Geschichte, aber die juristische Aufarbeitung der Vergangenheit beginnt gerade erst. Die Prozesse gegen Staatsführung und Mauerschützen sind zwar medienwirksam, für die Opfer des Regimes erweisen sich die Urteile jedoch oftmals als unbefriedigend. Auf verspätete Gerechtigkeit hofft auch der Ost-Berliner Jürgen Litfin, dessen älterer Bruder Günther beim Fluchtversuch am 24. August 1961 ums Leben kam. Erschossen von einem Grenzposten. Was bleibt ist die Erinnerung und ein Gedenkstein für seinen Bruder, der als das erste Todesopfer gilt, das die Mauer forderte. Durch die Zentrale Ermittlungsgruppe für Regierungs- und Vereinigungskriminalität ZERV, die sich mit der strafrechtlichen Aufarbeitung von Leid und Unrecht in der DDR befasst, erfährt er mehr als 30 Jahre nach der Tat die erschreckenden Einzelheiten. Als schließlich im Rahmen der sogenannten Mauerschützenprozesse auch der Fall seines Bruders verhandelt wird, macht sich in Litfin Wut breit - insbesondere über das Urteil.
Unterdessen ist nach einigen Jahren des Lebens im vereinten Land beiderseits Ernüchterung eingekehrt. Gerade viele Ostdeutsche denken oftmals mit Wehmut an das Leben in der DDR zurück, teilweise setzt eine Verklärung der Vergangenheit ein. Eine Welle der Ostalgie schwappt über das Gebiet der ehemaligen DDR. Auch bekannte Ostprodukte feiern ihre Wiederauferstehung. Ob Zigaretten, Sekt oder Waschmittel - viele Waren kehren in den Handel zurück und verkaufen sich gut. Ihr Erfolg ist gleichzeitig Ausdruck der Sehnsucht vieler Ostdeutschen nach dem früheren Leben. In Nordhausen kann sich Ralf Heckel dies zunutze machen: Er kreiert Ostalgie-Parties. Auf diesen wird zu den Hits der DDR-Musik getanzt, "Vita Cola" getrunken und das Pionierhalstuch getragen, während ein Honecker-Double für die Unterhaltung sorgt. Mit seiner dargestellten Wiedergeburt der DDR bedient er ein verbreitetes Lebensgefühl dieser Zeit, für den findigen Veranstalter wiederum erweist sich die Geschäftsidee als Goldgrube.
Mit einer anderen Kapitalanlage schaufelt sich hingegen Georg Elsner aus dem hessischen Marburg unfreiwillig sein finanzielles Grab. Der damals erfolgreiche Zahnarzt möchte seine Ersparnisse möglichst gewinnbringend im Osten der Republik anlegen und beschließt, in einen geschlossenen Immobilienfonds zu investieren, der sich selbst als "bombensichere" Anlage im Osten anpreist. Von seinem Sparkonto fließen 300.000 DM in ein Objekt in Dessau. Als er jedoch eines Tages an einer der Gesellschafterversammlungen teilnimmt, schwant ihm bereits Böses. Neben den Mitgliedern des Managements ist er der einzige Anwesende und auch die Zahlen sind wenig ermutigend. Elsner ahnt, dass mit seiner Investition irgendetwas nicht stimmt und erlangt Gewissheit, als er das Investitionsobjekt später besichtigt: Er findet ein fast leerstehendes Haus vor. Überschattet wird sein Unglück zudem noch vom plötzlichen Tod seiner Frau.
