Gesellschaft

Es besteht kaum ein Zweifel daran, dass die Gesellschaft in der DDR dem umfassenden Gestaltungs- und Herrschaftsanspruch des SED-Regimes unterworfen war. Ungeachtet dessen zeichnet sich in der Literatur in Bezug auf den Stellenwert und die Ausprägung der gesellschaftlichen Verhältnisse in der staatssozialistischen Diktatur ein ambivalentes Bild.

Jürgen Kocka und Alf Lüdtke prägten beispielsweise den Begriff der „durchherrschten Gesellschaft“. Ähnlich wie Eckhard Jesse („autalitäre Diktatur“) geht es Ihnen darum, das Ausmaß der politischen Steuerung und die Kontrolle sozialer Prozesse und Beziehungen hervorzuheben. Jesse akzentuiert mit seinem Begriffsentwurf zudem den Übergang von der totalitären Diktatur (in den späten vierziger und frühen fünfziger Jahren) zum autoritären Regime in den folgenden Jahrzehnten.

Aufgrund des zentralen Stellenwerts, den die Erwerbsarbeit in der DDR eingenommen hat, formulierten einzelne Historiker noch spezifischere Begrifflichkeiten wie „Arbeitsgesellschaft“ (Martin Kohli) oder „durchherrschte Arbeitsgesellschaft“ (Gerhad A. Ritter).

Alleinig konnte sich keiner der genannten Begriffe im Forschungsdiskurs durchsetzen. Dennoch leisten die differenzierten Betrachtungsweisen als legitime und erkenntnisreiche Gegenstände der historischen Forschung einen wichtigen Beitrag für die Beschreibung und weitere Untersuchung der gesellschaftlichen Verhältnisse in der DDR.

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