Fall der Berliner Mauer - 9.11.1989

Fall der Berliner Mauer - Mauerspechte
Foto: SSgt. F. Lee Corkran, DoD, gemeinfrei

Die Berliner Mauer rund um Westberlin bildete die Grenze zwischen Ost und West. Bewachung durch Grenzsoldaten, Stacheldraht, Minen und Selbstschussanlagen machten diese Grenzbefestigung nahezu unüberwindlich. Sie war das abschreckendste Symbol des Ost-West-Konfliktes. Mehr als ein Vierteljahrhundert Symbol der Teilung Deutschlands fiel die Mauer am 9. November 1989. Dieser 9. November ist fest mit der Deutschen Einheit verknüpft. Er erinnert uns auch an erfolgreichen Widerstand und Bürgermut.

Kurz & knapp: Die Wende im Jahr 1989

Deutsche Geschichte einfach erklärt

Was ist "die Wende"?

Bis zum Jahr 1990 war Deutschland in zwei Länder geteilt: die Bundesrepublik Deutschland (BRD) im Westen und die Deutsche Demokratische Republik (DDR) im Osten. Die DDR war eine Diktatur. In ihr herrschte nur eine Partei, die SED, und die Menschen durften nicht frei ihre Meinung sagen und wurden durch die Mauer am Verlassen des Landes gehindert. 

Der Begriff "Wende" oder auch Wendezeit beschreibt die Ereignisse 1989: Die Menschen in der DDR wollten ihre Regierung und die Staatsform nicht mehr. Die Friedliche Revolution führte zum Mauerfall und zur Wiedervereinigung Deutschlands. Was das bedeutet, erklären wir hier. 

Was ist die "Friedliche Revolution"?

Ein Aufstand ohne Gewalt ist eine friedliche Revolution. In Deutschland meinen wir damit die Friedliche Revolution 1989. Die Menschen in der DDR gingen auf die Straße und protestierten gegen die DDR. Sie wollten Meinungsfreiheit und freie Wahlen. Und sie wollten wieder in den Westen reisen können. Die Friedliche Revolution war erfolgreich, denn es gab den im November den "Mauerfall".

Was ist der "Mauerfall"?

Durch Deutschland lief eine 1.400 km lange Grenze, die auch eiserner Vorhang genannt wurde. Die Mauer lief mitten durch Berlin und trennte die Stadt. Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer wegen der friedlichen Revolution. Das bedeutet, dass die Menschen in Ostdeutschland wieder nach Westberlin gehen konnten. Aber es bedeutete auch mehr: Deutschland war nicht mehr geteilt.

Wie ging es weiter? Die "Wiedervereinigung"

Wiedervereinigung heißt, dass die beiden Teile Deutschlands wieder zusammen kamen: Die DDR und die Bundesrepublik Deutschland wurden wieder zu einem Staat. In diesem Staat leben wir heute. Die Wiedervereinigung war am 3. Oktober 1990. 

Warum ist die Wende für Deutschland so wichtig?

  • Deutschland war lange geteilt. Nach dem zweiten Weltkrieg war Deutschland in Besatzungszonen aufgeteilt, dann in Westdeutschland und Ostdeutschland mit der DDR. Menschen konnten ihre Freunde im anderen Teil Deutschlands immer schwerer besuchen. Nach der Wende war Deutschland endlich wieder ein Land.
  • Selten geschehen große politische Veränderungen ohne Gewalt. Bei der Friedlichen Revolution aber nutzten die Menschen und der Staat keine Gewalt - und trotzdem änderte sich etwas. Das macht es so besonders.

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Videoaufruf des Bundespräsidenten zum Mauerfall-Jubiläum

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat anlässlich des Jubiläums der Friedlichen Revolution aufgerufen, persönliche Geschichten dieser Zeit zu erzählen: „Welche Geschichte verbinden Sie mit dem Mauerfall vor 30 Jahren, mit dem Zusammenwachsen von Ost und West? Die Geschichte unseres Landes besteht doch aus den Geschichten, die wir erlebt haben, aus unseren Geschichten. Und Ihre Geschichte würde ich gern hören.“
Nutzerinnen und Nutzer sind eingeladen, eigene kurze Videobeiträge unter dem Hashtag „#geteiltegeschichten“ auf ihren eigenen Social-Media-Kanälen zu erstellen.

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1. Wie kam es zum Fall der Mauer? Die Vorgeschichte

Die Berliner Mauer mit einer Gesamtlänge von 155 km rund um Westberlin bildete die Grenze zwischen Ost und West. Bewachung durch Grenzsoldaten, Stacheldraht, Minen und Selbstschussanlagen machten diese Grenzbefestigung nahezu unüberwindlich. Sie war das abschreckendste Symbol des Ost-West-Konfliktes. Von der einen Seite als "Friedensgrenze" und "Antifaschistischer Schutzwall" gepriesen, von der anderen Seite als "kommunistische Schandmauer" verdammt. Mehr als ein Vierteljahrhundert Symbol der Teilung Deutschlands fiel die Mauer am 9. November 1989. Dieser 9. November ist fest mit der Deutschen Einheit verknüpft, weit mehr als der eigentliche Staatsakt ein Jahr später. Er erinnert uns auch an erfolgreichen Widerstand und Bürgermut. Der Mauerfall markiert auch das Ende des Kalten Krieges.

Ende Oktober 1989 hatten sich durch die Reformpolitik des sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow nicht nur die herrschenden politischen Standpunkte der Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED), sondern auch die der Medien in der DDR bereits grundlegend verändert. Die Massenflucht von DDR-Bürgerinnen und-Bürgern in den Westen, eine neue Oppositionsbewegung und Montagsdemonstrationen setzten die DDR-Regierung unter Druck. Korrespondenten berichteten 1989 offen von Demonstrationen und Kundgebungen, informierten über die Reiseregelungen und über die Wirtschaftskrise in der DDR.

Die Reformen in der Sowjetunion hatten auch große Auswirkungen auf die anderen sozialistischen Länder, besonders aber auf Polen und Ungarn.

Mit der Anerkennung der ersten freien Gewerkschaft Solidarnosc Anfang 1989 in Polen begann der Zerfall des sozialistischen Systems. Die ungarische Regierung öffnete in der Nacht zum 11. September 1989 die Grenze zu Österreich für DDR-Bürger. Zehntausende reisten in den nächsten Tagen und Wochen über Österreich in die Bundesrepublik aus. Die DDR lenkte auch im Prager Botschaftskonflikt - wohin Tausende DDR-Bürger geflüchtet waren, um ihre Ausreise zu erzwingen - auf sowjetischen Druck hin ein. In verriegelten Sonderzügen wurden einige tausend DDR-Flüchtlinge über das Territorium der DDR in die Bundesrepublik gebracht. Der Eiserne Vorhang war durchbrochen.

Im Herbst 1989 erfasst die Revolution das ganze Land. Nicht nur in Leipzig und Berlin demonstrieren die Menschen gegen den Staat und für ihre Interessen. Bereits am 1. September 1989, dem Weltfriedenstag, gehen in den kleinen Städten Neuruppin (nördlich von Berlin) und Forst (bei Cottbus) Menschen auf die Straße. Vor allem junge Menschen fordern die Öffnung der Grenzen.

Die Leipziger Montagsdemonstration vom 9. Oktober 1989 gilt als entscheidend für die friedliche Revolution in der DDR. Die Menschen überwanden ihre Angst vor den Unterdrückern, ein Schießbefehl wäre nicht unvorstellbar gewesen. Ungehindert und friedlich zogen mehr als 70.000 Demonstranten über den Innenstadtring bis zur Stasi-Zentrale. Der Staat kapitulierte vor der Übermacht der Bürgerinnen und Bürger.

Im November 1989 überschlagen sich die Ereignisse in der DDR. Unter dem Druck der friedlichen Bürgerbewegung musste die SED immer weiter zurückweichen. Die Diktatur befand sich in einer offenen Krise, von der sie sich nicht mehr erholen sollte.

Demonstration am 4. November 1989, Berliner Alexanderplatz
Bundesarchiv, Bild 183-1989-1104-006 / Peter Zimmermann / CC-BY-SA 3.0

Die größte Demonstration in der Geschichte der DDR fand am 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz statt, zu der sich über eine halbe Million Menschen friedlich versammelten. In der SED-Spitze und im Sicherheitsapparat begann ein Tauziehen um die Frage, ob man die Demonstration verhindern sollte. Schließlich beschloss die SED-Führung, dass die Demonstration genehmigt werden sollte. Eine zentrale Forderung der Demonstranten war die nach Reisefreiheit.

Die SED reagierte am 6. November 1989 mit einem Entwurf für ein Reisegesetz, welcher auf breite Ablehnung stieß. Unter andauerndem Druck durch Massenflucht und Demonstrationen sowie durch Einwirkung der "SED-Reformer" trat am 7. November 1989 die DDR-Regierung unter Ministerpräsident Willi Stoph zurück. Daraufhin trat am 8. November auch das gesamte Politbüro des Zentralkomitee (ZK) der SED zurück.

In dieser Situation fand am 8. und 9. November 1989 das ZK-Plenum der SED statt. Gleichzeitig wurde ein einfaches und weitgehendes neues Reisegesetz ausgearbeitet und im ZK der SED verlesen. Kaum einer der Anwesenden erkannte die Brisanz dieses Entwurfs.

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2. Was passierte am 9. November 1989? Tageschronik

9 Uhr: Im Innenministerium der DDR kommen vier Offiziere zusammen, um eine neue Ausreiseregelung zu entwerfen. Das Politbüro hatte dazu den Auftrag gegeben. Der Rohentwurf, der zwei Tage zuvor von der Sowjetunion abgenickt wurde, sieht nur die ständige Ausreise direkt aus der DDR (über einen Extra-Grenzübergang im Süden) und nicht mehr über Drittstaaten wie die CSSR vor – aber keine Rückkehr in die DDR.
In einem Ministerratsbeschluss regeln die Offiziere das Recht auf Ausreisen. Alle Einschränkungen bei Anträgen auf eine ständige Ausreise aus der DDR sollen wegfallen. Ausreisen sollen nach wie vor beantragt werden müssen. Auf die Initiative von Oberst Gerhard Lauter hin mogelt die Runde einen folgenschweren Passus in den Text hinein: „Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen (Reiseanlässe und Verwandtschaftsverhältnisse) beantragt werden. Die Genehmigungen werden kurzfristig erteilt.“ Im Klartext: Reisefreiheit für alle, geordnet, langfristig und bürokratisch.
Die Verordnung soll bis zum Beschluss eines Reisegesetzes gelten und am Freitag, dem 10. November, 4 Uhr, veröffentlicht werden. Bereits am gleichen Tag sollen alle DDR-Bürger bei den Behörden Visa beantragen können. Das Papier geht direkt an das Zentralkomitee der SED.

Chronik der Mauer: Gerhard Lauter, VP-Oberst, über die Ausarbeitung der Reiseregelung im November 1989

10 Uhr: Der zweite Beratungstag des SED-Zentralkomitees beginnt. Die Bezirksbasis setzt die 1. Sekretäre Hans-Joachim Böhme in Halle, Werner Walde in Cottbus und Johannes Chemnitzer in Neubrandenburg wieder ab. Auch die langjährige Frauenbeauftragte des SED-Politbüros Inge Lange tritt von ihrem Posten zurück.

12 Uhr: Mitglieder des Politbüros bestätigen in einer Raucherpause des ZK den von den Offizieren erarbeiteten Reiseregelungs-Entwurf. Er wird an den Ministerrat weitergeleitet.

15 Uhr: Im Innenministerium und bei der Staatssicherheit wird an den Durchführungsbestimmungen zur Reiseverordnung gefeilt.

16 Uhr: Generalsekretär Egon Krenz verliest im SED-Zentralkomitee den Reiseregelungs-Entwurf, der ihm nun als Beschlussvorlage des Ministerrates einschließlich Pressemitteilung vorliegt.

17.30 Uhr: Krenz händigt die Ministerrats-Beschlussvorlage und eine dazugehörige Pressemitteilung Günter Schabowski aus. Er ist in diesen Tagen Sprecher des SED-Zentralkomitees. Schabowski war bei den Beratungen des ZK nicht dabei, er kennt weder den Wortlaut der neuen Reiseverordnung noch weiß er, wann sie gelten soll. Auf einem handschriftlichen Zettel macht er sich für die bevorstehende Pressekonferenz die Notiz "Verlesen Text Reiseregelung".

Um 18 Uhr beginnt die Live-Übertragung der Pressekonferenz mit Günter Schabowski (1. Sekretär der SED-Bezirksleitung Berlin), in der er über die Ergebnisse der Politbürositzung am Nachmittag informierte. Fast eine Stunde lang redete Schabowski über Fragen zu Reformen der Partei, Wirtschaft und Gesellschaft. Schabowski spricht auch vom „Bedürfnis der Bevölkerung zu reisen oder die DDR zu verlassen“.

Pressekonferenz mit Günter Schabowski
Pressekonferenz mit Günter Schabowski, Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1989-1109-030 / Lehmann, Thomas / CC-BY-SA 3.0

Um 18:57, kurz vor Ende der Pressekonferenz, fragt der italienische Journalist Riccardo Ehrman nach, ob der Entwurf des Reisegesetzes nicht ein Fehler gewesen sei.
„Ich heiße Riccardo Ehrman, ich vertrete die italienische Nachrichtenagentur Ansa. Herr Schabowski, Sie haben von Fehler gesprochen. Glauben Sie nicht, dass es war ein großer Fehler, diesen Reisegesetzentwurf, das Sie haben jetzt vorgestellt vor wenigen Tagen?“
Schabowski teilt den erstaunten Journalisten mit, dass ab sofort Westreisen für jedermann möglich sind. Viele DDR-Bürger sehen die Mitteilung im Fernsehen. Die Regelung war ursprünglich als Richtlinie für die ständige Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland (ohne Recht auf Rückkehr) gedacht. Sie sollte den anhaltenden Ausreisestrom über die Tschechoslowakei stoppen.

"Und deshalb haben wir uns dazu entschlossen, heute eine Regelung zu treffen, die es jedem Bürger der DDR möglich macht, über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen. ...Also, Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen, Reiseanlässen und Verwandtschaftsverhältnissen beantragt werden. Die Genehmigungen werden kurzfristig erteilt...Das tritt nach meiner Kenntnis, ähh, ist das sofort, unverzüglich."

Chronik der Mauer: Audio: RIAS-Reportage über Schabowskis Pressekonferenz

19.04 Uhr: Noch vor den Eilmeldungen der westlichen Nachrichtenagenturen verbreitet der Allgemeine Deutsche Nachrichtendienst (ADN), die Nachrichtenagentur der DDR, die Einzelheiten der von Schabowski zuvor verkündeten, „sofort“ geltenden Reisefreiheit. Die Überschrift ist mit Bedacht neutral gewählt: „DDR-Regierungssprecher zu neuen Reiseregelungen“. Vier Punkte umfasst die 20-Zeilen-Meldung, die ursprünglich erst am Freitagmorgen um 4.00 Uhr auf den Draht gehen sollte.

19.05 Uhr: Diese Sätze schreiben Geschichte. Associated Press (AP) verbreitet als Eilmeldung: "DDR öffnet Grenze":

AP-236 2 PL 49 APD9566
DDR/Grenze EIL
EIL
DDR öffnet Grenzen =
Ost-Berlin. (AP) Die DDR öffnet nach Angaben von SED-Politbüromitglied Günter Schabowski ihr Grenzen. Dies sei eine Übergangsregelung bis zum Erlaß eines Reisegesetzes, sagte Schabowski.
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AP/RM/PZ
091905 Nov 89

Die DPA meldet um 19.41 Uhr: "Die DDR-Grenze ... ist offen." Die Agenturmeldungen werden in der Hauptnachrichtenzeit bis 20.15 Uhr zur TOP-Nachricht in Fernsehen und Hörfunk. Die "Tagesschau" meldet als Topmeldung um 20 Uhr: "DDR öffnet Grenze".

Youtube Video: Tagesschau vom 9.11.1989 - Der Fall der Mauer

   
         

Um 20 Uhr beschäftigte sich das Zentralkomitee in diesen entscheidenden Stunden mit der Wirtschaftslage der DDR. Die DDR war nicht pleite, die Substanz allerdings war aufgezehrt. Die Infrastruktur, der Zustand vieler Innenstädte und die Versorgungslage waren desolat. Die Schulden der DDR im Westen hatten nach einer Bilanz der Deutschen Bundesbank aus dem Jahr 1999 rund 20 Milliarden Valutamark betragen, waren also vergleichweise gering. 1989 lag der Vergleichswert des Pro-Kopf-BIP gegenüber der BRD bei 55 Prozent.

Schon gegen 20.30 Uhr treffen die ersten DDR-Bürger an den Grenzübergängen Sonnenallee, Invalidenstraße und Bornholmer Straße ein, um zu sehen, was los ist. Der Grenzübergang ist aber weiterhin für DDR-Bürger ohne gültiges Visum geschlossen. Es kommen immer mehr Menschen zum Grenzübergang.

Gegen 21.00 Uhr fordert die Menge die Öffnung der Grenze. Die Situation spitzt sich zu, die diensthabenden Grenzsoldaten haben bisher keinen Befehl zur Öffnung der Grenze erhalten und die Menge vor dem Grenzübergang ruft: "Tor auf! Tor auf". Es spielen sich tumultartige Szenen ab.

Gegen 21.10 Uhr beendet der Bundestag in Bonn aus Anlass der neuen Bestimmungen seine Sitzung mit dem Absingen der Nationalhymne.

Um 21.20 Uhr kam es am Grenzübergang Bornholmer Straße zur sogenannten Ventillösung: Um den Druck abzubauen, wurde die Ausreiseabfertigung aufgenommen. Die Personalausweise der DDR-Bürger wurden mit einem Passkontrollstempel neben dem Lichtbild ungültig gestempelt. Ohne es zu wissen, waren die ersten Ost-Berliner, die jubelnd über die Bornholmer Brücke nach West-Berlin liefen, ausgebürgert worden.

22.28 Uhr: In der Spätausgabe der „Aktuellen Kamera“ wird im DDR-Fernsehen ein letzter Versuch gestartet, die Entwicklung zu bremsen. „Auf Anfragen vieler Bürger informieren wir Sie noch einmal über die neue Reiseregelung des Ministerrates“, sagt der Nachrichtensprecher und weist ausdrücklich daraufhin, „dass die Reisen beantragt werden müssen“. Die Abteilungen Pass- und Meldewesen hätten aber „morgen um die gewohnte Zeit geöffnet“ und auch ständige Ausreisen könnten erst erfolgen, „nachdem sie beantragt und genehmigt worden sind“.

Gegen 23 Uhr drängen tausende an der Bornholmer Straße von hinten nach vorn. Am Schlagbaum wird es immer bedrohlicher. Keiner weiß genau, ob es sich nun um ein Gerücht, einen Versprecher oder tatsächlich um eine gültige Entscheidung handelt. Die Grenzsoldaten sind völlig überfordert. Eine halbe Stunde vor Mitternacht entschließen sich einzelne Grenzkommandanten, die Tore einfach zu öffnen. Die Mauer ist gefallen. Auch an anderen Übergängen der innerdeutschen Grenze strömen tausende DDR-Bürger in die Bundesrepublik und werden im Westen begeistert empfangen.

00:00 Uhr: Alle Grenzübergänge in Berlin sind offen.

Berlin, Checkpoint Charlie, Nacht des Mauerfalls
Bundesarchiv, Bild 183-1989-1110-018 / Oberst, Klaus / CC-BY-SA 3.0

00.20 Uhr, 10. November: 30.000 Soldaten der Nationalen Volksarmee (NVA) werden in „erhöhte Gefechtsbereitschaft“ versetzt. Da in der Nacht weitere Befehle ausbleiben, stellen die Kommandeure der Grenzregimenter die Maßnahmen auf eigene Verantwortung ein.

Zwischen 1 und 2 Uhr, 10. November, überwinden tausende von West- und Ost-Berlinern die Mauer am Brandenburger Tor. Sie gehen über den Pariser Platz und durch das Tor. Auf der Mauer tanzen die Menschen vor Freude. Der Betonwall bleibt von einigen Tausend Menschen besetzt. Über den ganzen Platz hallt das Klopfen der Mauerspechte. Sie bearbeiten die Mauer auf der Westseite mit Hämmern und Meißeln. Von den Übergängen strömen die Menschen zum Kurfürstendamm, der bis zum frühen Morgen in eine Partymeile verwandelt wird.

2 Uhr, 10. November: Die Nachrichten von Radio DDR I melden unter Berufung auf das Innenministerium, dass die Grenze "als Übergangsregelung" bis zum nächsten Morgen, 8.00 Uhr, unter Vorlage des Personalausweises passiert werden kann. Die politische und militärische Führungsspitze der DDR tritt in dieser Nacht öffentlich nicht in Erscheinung.

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3. Wie ging es nach dem Mauerfall weiter? Ausblick

Berlin, 10. November 1989
Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1989-1110-041 / Hirschberger, Ralph / CC-BY-SA

Am 10. November 1989 strömten Tausende von Menschen weiter über die Grenzübergänge. Trabis verstopfen die Straßen. Die ganze Nacht und den ganzen Tag feiert Berlin. Bilder der Menschen, die auf der Mauer tanzen, gehen um die Welt. Noch in der Nacht zum 10. November ordnet Berlins Regierender Bürgermeister Walter Momper die Auszahlung eines Begrüßungsgeldes an DDR-Bürger in Höhe von 100 DM durch Banken und Sparkassen an. In langen Schlangen warten die Menschen in Sparkassen, Banken und Ämtern auf die Auszahlung des Begrüßungsgeldes.

Am Nachmittag erklärt der sowjetische Außenminister Eduard Schewardnadse vor der Presse, sein Land betrachte die "Ereignisse in der DDR als eine ureigene Angelegenheit ihrer neuen Führung und ihres Volkes und wünscht ihnen dabei vollen Erfolg". Am frühen Abend sprechen Walter Momper, Hans-Dietrich Genscher, Willy Brandt und Helmut Kohl vor 40.000 Menschen vor dem Schöneberger Rathaus. Momper nennt die Deutschen "jetzt das glücklichste Volk der Welt", Brandt begrüßt die "Landsleute drüben und hüben" und sieht "Europa zusammenwachsen" und Kohl sagt: "Es lebe ein freies deutsches Vaterland, es lebe ein freies einiges Europa."

Ein Jahr später, am 3. Oktober 1990, ist Deutschland nach 45 Jahren der Trennung wieder vereint. Die Rufe der DDR-Bürgerinnen und Bürger nach einem vereinten Deutschland wurden immer lauter. Das SED-Regime kam nicht umhin, sich dem Druck zu beugen. Mit internationaler Hilfe und der Politik der Bundesrepublik sollte Deutschland wieder zusammen wachsen.

Nach 1989 - Der Weg zur Deutschen Einheit

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4. Warum wurde die Mauer überhaupt gebaut? Rückblick

Foto: CIA, gemeinfrei

"Ich verstehe Ihre Frage so: Dass es Menschen in Westdeutschland gibt, die wünschen, dass wir die Bauarbeiter der Hauptstadt der DDR mobilisieren, um eine Mauer auf zu richten, ja? Eh, mir ist nicht bekannt, dass eine solche Absicht besteht, da sich die Bauarbeiter in der Hauptstadt hauptsächlich mit Wohnungsbau beschäftigen und ihre Arbeitskraft voll eingesetzt wird. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten." So der DDR-Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht am 15. Juni 1961 auf einer Pressekonferenz in Berlin. Am 13. August 1961 begannen die Arbeiten am Mauerbau.

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5. Wo finde ich mehr Informationen? Links zum Mauerfall

  • politische-bildung.de
    Berliner Mauerfall - Aufbruch ´89
    Auf dieser Seite finden Sie Angebote der Zentralen für politische Bildung und anderer Anbieter zum Thema. Die Angebote werden ergänzt durch weiterführende Links, Dossiers und Unterrichtsmaterialien.
    www.politische-bildung.de/berliner_mauerfall_einheit.html

  • bpb: 30 Jahre Mauerfall
    Die Berliner Mauer war über 28 Jahre das Symbol der deutschen Teilung und des Kalten Krieges. Am 9. November 1989 reagierte die DDR-Regierung mit Reiseerleichterungen auf den Ausreisestrom und monatelange Massenproteste – die Mauer war geöffnet. Die bpb präsentiertn ausgewählte Angebote zur Geschichte der Mauer und des Mauerfalls.
    www.bpb.de/geschichte/deutsche-einheit/mauerfall/

  • Bundesregierung
    Unsere Geschichte schreibt Zukunft
    30 Jahre Mauerfall

    Das längste Gespräch entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze
    Unter dem Motto Unsere Geschichte schreibt Zukunft entsteht am 9. November auf über 600 Kilometern das längste Gespräch an der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Mit einem medialen Gesprächsformat blicken wir auf die Jahre der Teilung, den Mauerfall und die vergangenen drei Jahrzehnte zurück. Von Hof bis Ratzeburg sprechen wir gemeinsam darüber, was das Ereignis des Mauerfalls für uns alle bedeutet hat, welche Änderungen es mit sich brachte, welche Freuden und welche Herausforderungen.
    Das längste Gespräch wird am 9. November 2019 von 18:53 bis 23:30 Uhr hier im Live-Stream übertragen.
    https://unseregeschichte.bund.de/

  • Bundesregierung
    Freiheit und Einheit
    Dieses Internetangebot will an die bewegenden Ereignisse von damals erinnern – an die Friedliche Revolution, den Mauerfall und schließlich die Wiedervereinigung. Eine umfassende Chronik zeichnet die Ereignisse zwischen Januar 1989 und Oktober 1990 nach. Sie enthält neben Texten und Fotos auch Filmporträts und viele Original-Töne von Zeitzeugen. Die Filme sind zusätzlich in einer Mediathek zusammengefasst.
    www.freiheit-und-einheit.de


  • Multimedia-Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung in Kooperation mit dem DeutschlandRadio. Eine historische Einleitung, Bibliographie, Filmliste, kommentierte Links und Originaltöne vervollständigen das Angebot.
    www.chronik-der-mauer.de

  • DHM: Der Fall der Mauer
    www.hdg.de/lemo/kapitel/deutsche-einheit/friedliche-revolution/fall-der-mauer.html
  • Dokumentationszentrum Berliner Mauer
    Das Dokumentationszentrum wurde am 9. November 1999, dem 10. Jahrestag des Mauerfalls, mit der Werkstatt-Ausstellung "Grenzblicke" eröffnet. Es bietet einen Überblick wie auch vertiefende Informationen zur Geschichte der Berliner Mauer
    www.berliner-mauer-dokumentationszentrum.de
  • DLF: "Mauersplitter"
    Die "Mauersplitter" sind Originaltöne aus den Jahren 1989/1990, authentische historische Augenblicke: Erich Honecker spricht von Ochs und Esel, Erich Mielke liebt alle Menschen, Michail Gorbatschow warnt alle, die nicht auf das Leben reagieren und Bärbel Bohley lädt Wolf Biermann zur Demo am 04.November auf dem Alexanderplatz ein.
    www.deutschlandfunk.de/mauersplitter.1358.de.html

  • DW: Materialien für den Unterricht
    Der Mauerfall - eine Unterrichtsreihe
    Die hier präsentierte Unterrichtsreihe von Dirk Reifenberg bietet zum Teil exklusive Materialien. Den Kern bildet eine Reihe von Zeitzeugenberichten, die einen möglichst unmittelbaren Eindruck der damaligen Ereignisse vermitteln soll. Aber auch die Stationen die zum Mauerfall führten, wie die Massenflucht oder die Montagsdemonstrationen werden eingehend geschildert.
    www.dw-world.de/dw/article/0,9729,2340056,00.html
  • FAZ: 25 Jahre Mauerfall
    Vom Todesstreifen zur Kiezidylle
    Am 9. November 1989 fällt die Berliner Mauer. Tausende Menschen strömen in den Westteil der Stadt. Ein Jahr später verschwindet die DDR von der Landkarte. Und heute? Eine Spurensuche auf dem früheren Mauerstreifen, 25 Jahre danach.
    www.faz.net/aktuell/politik/25-jahre-mauerfall

  • Focus Online: 25 Jahre Mauerfall
    Der Weg zu einem vereinigten Deutschland
    In der Nacht vom 9. November auf den 10. November 1989 fiel die Berliner Mauer. Kaum ein anderes Ereignis weckte in den Deutschen in der DDR wie der BRD ähnliche Emotionen und Hoffnungen. Im Jahr 2014 jährt sich der Fall der Mauer, dem Symbol für die Versöhnung zwischen Ost und West, zum 25. Mal. Zeit, zurückzublicken und nach vorne zu schauen.
    www.focus.de/politik/deutschland/25-jahre-mauerfall

  • mdr: 25 Jahre Freiheit ´89
    www.mdr.de/89

  • ndr: Mauerfall und Deutsche Einheit: 30 Jahre grenzenlos
    Auf dieser Seite finden Sie alle Artikel des NDR zum Thema Mauerfall.
    ndr

  • rbbonline: Chronik der Wende
    Das multimediale Webangebot zur Serie hat sich zu einer wichtigen Informationsquelle zum Thema Wende im Web entwickelt. chronik-der-wende.de wird immer wieder überarbeitet und aktualisiert.
    www.chronik-der-wende.de

  • Sächsische Landeszentrale für politische Bildung
    30 Jahre Friedliche Revolution
    Die Proteste, die zum Mauerfall und zum Ende der DDR führten, jähren sich 2019 zum 30. Mal. In unserer Themenwelt Friedliche Revolution laden wir dazu ein sich über das Jahr 1989 in Sachsen und Deutschland zu informieren und stellen aktuellen Angebote und Veranstaltungen zum Thema vor.
    www.slpb.de/themen/geschichte/friedliche-revolution/

  • ZDFmediathek
    30 Jahre Mauerfall
    Am Abend des 9. November 1989 gehen die ersten Schlagbäume an der deutsch-deutschen Grenze hoch - die Mauer ist offen! Es sollte "zusammenwachsen was zusammengehört".
    30 Jahre - 30 Stimmen / Wendejahr 1989/90 / 30 Jahre ohne Mauer / Getrennte Geschichte / Leben im Osten / Leben im Westen / Blühende Landschaften? - Die Vereinigung / Teilung und Wiedervereinigung in der Fiktion
    www.zdf.de/geschichte/30-jahre-mauerfall-100.html

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Das Portal bietet zahlreiche Hilfestellungen und nützliche Hinweise, wie das Lernfeld DDR im Schulunterricht sinnvoll vermittelt werden kann.
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20 Jahre Maueröffnung in Europa
Die Friedliche Revolution von 1989 in der DDR und anderen europäischen Staaten wie Polen und Ungarn ist das Thema der Ausgabe der Zeitschrift "Deutschland & Europa".
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